Ja – wer bin ich?

Das ist eine schwierige Frage und ein langer Weg, wie man ja schon in dem Buch „Das kleine Ich bin Ich“ von Mira Lobe nachlesen kann:

„…Wer nicht weiß, wie er heißt,
wer vergisst, wer er ist,
der ist dumm!“
Bumm…“
 

Dort begibt sich ein kleines buntes Tier auf die Suche:

„…Denn ich bin, ich weiß nicht, wer,
dreh mich hin und dreh mich her,
dreh mich her und dreh mich hin,
möchte wissen, wer ich bin…“
 

Nach einer tiefen Identitätskrise,

„…Stimmt es, dass ich gar nichts bin?
Alle sagen, ich bin Keiner,
nur ein kleiner
Irgendeiner…
Ob´s mich etwa gar nicht gibt?
Bin kein Fisch, kein Pony und
auch kein Nilpferd und kein Hund,
nicht einmal ein Hundefloh –
ooo!...“
 

findet es die Antwort:

„ICH bin ICH“
„…Auch der Laubfrosch
quakt ihm zu:
„Du bist du!
Und wer das nicht weiß,
ist dumm!“
Bumm….“
 

Ich bin ein Mensch mit Stärken und Schwächen, Interessen, Vorlieben und Abneigungen. Ich bin eine Frau, geboren 1964, Mutter zweier Töchter, Freundin und Kollegin. Aus beruflicher Sicht bin ich Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und arbeite seit Mai 2015 nach 4 Jahren als niedergelassene Psychotherapeutin in Dresden wieder als Oberärztin, diesmal in Bayern. Davor habe ich viele Jahre in psychosomatischen Kliniken gearbeitet, dort jeweils mit Schwerpunkt Traumatherapie. In den letzten Jahren habe ich viele Erfahrungen u. a. in der Behandlung von psychischen Erkrankungen nach Traumatisierung gesammelt und habe viele Weiterbildungen in diese Richtung gemacht. Ich erwarb die Zusatzbezeichnung Spezielle Psychotraumatherapie der DeGPT und bin EMDR-Therapeutin. Von meiner grundsätzlichen Ausbildung her bin ich tiefenpsychologisch ausgerichtet, nutze allerdings auch Techniken der Verhaltenstherapie, Hypnotherapie und Körpertherapie im Sinne eines integrierten Therapie-Ansatzes.

Die Arbeit mit traumatisierten Menschen macht mir viel Freude. Ich achte und mag sie, da sie trotz schwierigster Bedingungen nicht aufgegeben haben und mit aller Kraft an einer Heilung arbeiten. Die meisten von ihnen sind sehr starke, kreative und tiefgründige Menschen (auch wenn sie das selbst meist nicht glauben).

Ich sehe eine meiner wichtigsten Aufgabe darin, diesem Menschen Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln, um sich selbst auf dem Weg der Gesundung helfen zu können, wieder Kontrolle über das zu bekommen, was mit ihnen passiert und damit Selbstverantwortung für ihr Leben übernehmen zu können (deshalb auch die Artikel). Es soll eine helfende Hand sein, die der Betroffene nehmen kann oder auch nicht (auch das ist Selbstverantwortung) und dann geht man ein Stück Weges gemeinsam. Es soll kein Arm sein, auf dem ich den Betreffenden trage, denn das würde nicht wirklich zur Heilung führen.

Wie man unschwer sehen kann, arbeite ich gern mit vergleichenden Bildern und Imaginationen. Ich halte diesen Weg für sehr heilsam und gleichzeitig voller Freude. Man kann Dinge ausdrücken, die sich sonst nicht in Worte fassen lassen oder die sonst zu belastend wären. Man kann positive Bilder und Gefühle genießen, die vorher zum Teil kaum denkbar waren (z. B. ein Gefühl von Sicherheit), neue Fähigkeiten in sich entdecken oder auch einfach nur Spaß haben. Für meine Arbeit mit Bildern und Imaginationen nutze ich mein Wissen und die Erfahrungen in dem Therapieverfahren KB (Katathym-imaginative Psychotherapie), welches ich seit vielen Jahren einsetze.

Nachdem ich nun einiges auch über meine Vorstellung von Psychotherapie geschrieben habe, bleibt noch ein Punkt übrig, der für mich persönlich wesentlich ist. Psychotherapie ist für mich eine partnerschaftliche Arbeit, die getragen ist von gegenseitiger Achtung und (soweit möglich) Vertrauen. Es ist eine gemeinsame anspruchsvolle und anstrengende Tätigkeit, in der es neben den Phasen von Schmerz, Angst und Trauer auch viel Raum für Spaß und Freude geben muss. In diesem Sinne – viel Spaß beim Lesen.

Ulrike Ludwig